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Das künstlerische Schaffen Empfehlung an einen Freund senden

Wer sind wir?

Hier sind meines Erachtens alle Vorstellungen und Arbeiten einzuordnen, die einer Positionsbestimmung meiner künstlerischen Arbeit hier am Ort dienen. In diesen Bereich muss ich alle meine Portraits* und Selbstportraits* nennen, die unter unterschiedlichstem Einfluss in einem Prozess für und wider äußeres entstanden sind, unter anderem „Mittsommernacht”, „Selbstportrait im romantischen Kostüm”, „Selbstportrait mit Katzen”, „Selbst[portrait] bei 30° im Schatten”. Ebenfalls sind hier Darstellungen von Bekannten und Freunden als Zeitgenossen zu sehen. Eine besondere Stellung, die auf ein landesweites Problem hinweist, nimmt das Portrait des „Mannes von der grünen Insel” ein. Antwort auf obige Frage geben darüber hinaus Arbeiten aus dem Umfeld hiesiger Lebensformen wie Stillleben, Blumenstillleben, Tierdarstellungen.
Einen besonders großen Raum nimmt die Reflexion unserer nordischen Landschaft und Architektur ein. Ich setze mich oft in fast portraithafter Form mit der engeren und weiteren Umgebung der Stadt, Rügens oder Hiddensees auseinander. Ich verstehe mich vor allem in diesem Bereich in traditioneller Folge des Werkes der Elisabeth Büchsel und des Ehepaares Kliefert, deren Arbeiten mir immer wieder die besten Anregungen gegeben haben. Es ist der Teil unseres Landes, wo wir vor allem die Pflicht haben, ihn so darzustellen, wie er ist. Zwar oft mit neün Häusern, mit modernen Schiffen oder Hafenanlagen, mit Fernsehantennen auf den Dächern, aber auch-, und das in größerem Maße, mit der verrotteten Bausubstanz unter den Antennen, mit verödenden Dörfern, mit hoffnungslos verschlammten Dorfstraßen und Ställen, die wie Ruinen beschaffen sind. Da mein eigener Grundberuf landwirtschaftlich orientiert war und ich am Rande einer Kleinstadt in fast landwirtschaftlichem Umfeld gebürtig bin, verspüre ich wohl eine ganz besondere Bindung zu dieser Basis des menschlichen Lebens und Wirkens, die die Grundvoraussetzungen für alle menschliche Arbeit erfüllen muss. Der Mensch der Zukunft wird sich, wenn er überleben will, mit dieser Erde, ein völlig neüs, umfassenderes Naturverständnis aneignen müssen, was ihm urbane Ballungsgebiete niemals geben können. Ich betrachte es auch als meine Aufgabe jetzt und in Zukunft im Sinne dieser notwendigen Aufgabe zu wirken. Wer sind wir? Unumgänglich in Zusammenhang mit dieser Frage sind Positionsbestimmungen meinerseits im Hinblick auf Dinge, die außerhalb dieses engen Wirkungskreises hier liegen.
Reisen, in den landesbedingten Möglichkeiten und Grenzen, wurden seit 1984 verwirklicht und haben sich in einer Reihe großformatiger Arbeiten* widergespiegelt unter anderem: „Klippen bei Sosopol”, „Schwarzmeerstillleben”, „Schwarzmeerklippen im Sturm”, „Erinnerungen an unseren Balkansommer”, „Zigeunermädchen”, „Bulgarische Händlerin”. Reisen werden demnach auch in Zukunft zu einer Einordnung der eigenen Arbeit in einen gesamtweltlichen Maßstab notwendig und unumgänglich sein, auch über die gegenwärtig begrenzten Möglichkeiten hinaus.

*) Für einige der erwähnten Arbeiten sind die jetzigen Standorte unbekannt. Wenn Sie Kenntnis von diesen Arbeiten haben, würden wir uns über eine Nachricht von Ihnen freuen.

25.02.2009 Auszüge aus einer Niederschrift der Malerin Gisela Peschke vom 01.01.1988

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